• Daniele Di Fronzo

Wie fischt man auf Steelhead/ Pazifischen Lachs

kann man was von den Bären lernen.....................

 

Nach 2 Jahren Corona war es endlich wieder soweit nach Kanada einreisen zu können.

Der Aufstieg der Lachse lies auf eine grossartige Fischerei hoffen, denn die Zahlen im Vorfeld waren mehr als erfreulich.Einzig der fast doppelt so hohe Wasserstand, wie sonst in dieser Jahreszeit üblich, brachte die Herausforderung mit sich in dieser Wassermenge die Wege der Fische zu finden. Zudem war der Skeena River vor allem im Gewässerabschnitt Richtung Meer so breit, dass es fast keine Verengungen gab von den gesuchten Rauschen gar nicht zu sprechen. Infolge dessen mussten wir häufig die gleichen Plätze befischen. An Exkursionen an den oberen Teil des Skeena war gar nicht erst zu denken.

Trotzdem hatten wir einen guten Einstieg in die Fischerei. Es gelang uns rasch die ersten Rotlachse zu überlisten, welche in den ersten Tagen noch zurückgesetzt werden mussten. Durch den gewaltigen Aufstieg wurden die Fangquoten jedoch rasch einmal auf 4 Lachse pro Tag geändert. Dies erlaubte uns einige Fische zu räuchern und mit nach Hause zu nehmen. Nach heutigem Stand scheinen mehr als 2,7 Mio eingestiegen zu sein. Das liegt ein Mehrfaches über dem Durchschnitt der letzten Jahre und wurde seit ich da bin noch nie erreicht!


Auch bei den Kings gab es eine so gewaltige Zahl, die alle Rekorde der letzten Jahren pulverisierte. Persönlich habe ich noch nie so viele gefangen oder gedrillt wie in diesem Jahr. Wobei in diesem Fall

schon seit eh und je ein striktes C&R gilt. Es waren zwar keine absoluten Kracher dabei, aber es hat auf jeden Fall extrem viel Spass gemacht. Meine absoluten Favoriten sind jedoch die Steelheads und da darf ich mengenmässig auf eine sehr erfolgreiche Bilanz zurückblicken. Bei der Grösse war ich weit entfernt von dem was möglich ist.Das fällt allerdings unter "Jammern auf hohem Niveau" gelang es mir doch mehrere um die 80 cm zu fangen und die Grösste war sogar 87 cm. Leider hat sich die Entwicklung in den letzten Jahren hier nicht zum Positiven gewendetund man darf gespannt sein, wie es inskünftig weiter geht. Besonders das Jahr 2021 war eine Katastrophe und hat einen herben Rückschlag aufgezeigt.


In den fast 20 Jahren Lachsfischen mit diversen Freunden und Gästen in BC Kanada konnte ich viele wertvolle Erfahrun gen sammeln.Ich habe einige Dinge ausprobiert und habe nun die optimale Kombination vom Setup gefunden, welche mir ein effizientes Fliegenfischen erlaubt.


Eine Zweihandrute bis zu 14 Fuss ist mit einer passenden Skagit -Schnur am effektivsten bestückt.

Bei ca. 500 Würfe pro Tag empfiehlt es sich wirklich ein gute Kombi zu haben, denn hochgerechnet auf über 2 Wochen ergibt sich daraus eine gewaltige Anzahl Würfe.Sinkschnüre von T 14- T 18 erfordern hier zwingend ein Länge von mindestens 4 Metern, je nach Wassermenge. Bei den Vorfächern habe ich mich auf 30Lbs festgelegt, denn keines davon ist mir am Fisch je gerissen. Allerdings überprüfe ich das Vorfach aufmerksam nach Hängern und wechsle es aus falls es aufgeraut ist. Auf die Länge der Vorfächer möchte ich hier nicht eingehen. Hierzu gibt es verschiedene Ansichten und ich habe meine eigene Meinung dazu. Bei der Wahl der Fliege fische ich mit 3-4 Mustern, je nachdem auf was oder wo ich fische. Und wenn ich mich reduzieren müsste könnte ich mit einer einzigen Fliege alles fangen.


Die wichtigste Voraussetzung für durchschlagenden Erfolg ist die Drift. Sie ist von entscheidender Bedeutung bei der Lachsfischerei! Wer das nicht begreift wird gar keine, bis sehr wenig Lachse fangen und den ganzen Tag frustriert nur Hänger produzieren. Mit der richtigen Technik kann man jede Stelle befischen und gerade bei den schwierigen Passagen stehen sehr viele Lachse. Man muss einfach nur lernen richtig damit umzugehen. Einen bis zwei Schritte vor/zurück, Einwurfswinkel verändern, schnellere Drift oder Schnur verkürzen/verlängern kann bereits den erhofften Erfolg bringen. Viele meiner Freunde und Bekannten haben vom konventionellen Fischen aufs Fliegenfischen umgestellt. Diese grosse Hürde zu überwinden ist wohl der schwierigste Teil. Aber nach 2 -3 harten Tagen hat man dies im Griff und wenn der Aufstieg einigermassen ist kommt man jeden Tag zu Bissen.


Drill und Landung des Fisches sind die nächsten Schlüsselfaktoren. Wer hektisch agiert hat schon im Ansatz verloren. Es bedarf hier absoluter Ruhe im Vorgehen und Konzentration sowie Vertrauen ins Material. Einige tun sich damit sehr schwer, forcieren im Drill zu stark und verlieren kurz vor der Landung viele Fische durch «überhitztes» Drillverhalten. Es gilt zuerst die Kontrolle über den Fisch zu erlangen und erst dann zur Landung anzusetzen. Generell sollte man die Fische erst in Ufernähe bringen, wenn sie ausgepowert sind, denn sobald sie Boden unter dem Bauch spüren drehen sie ansonsten nochmals voll auf. Auf diese Weise kann manch schöner Lachs verloren gehen, da wir ja ohne Widerhaken fischen. Gerade bei den grossen Fischen gibt es mehrere Fluchten bis ins Backing, die dann mit viele Geduld wieder zurückgeholt werden müssen. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig eine sehr gute Rolle mit einem intakten Bremssystem zu haben um den Drill erfolgreich abzuschliessen.

Es ist nicht einfach all dies auf die Reihe zu bringen, aber anders als in Norwegen kann man es sich hier leisten einen Fisch zu verlieren, denn unter Garantie kommt bald wieder ein anderer Lachs auf die Fliege.


Michele, Ralf, Maarten und Richi haben in diesem Urlaub das erst Mal mit der Fliege auf Lachs gefischt und jeder von ihnen hat es geschafft mehrere zu landen. Insgesamt gesehen ist man ab dem dritten Tag drin und hat eine realistische Chance einen Fisch zu landen, wobei Einigen das bereits schon am ersten Tag gelungen ist. Natürlich gibt es auch immer wieder Rückschläge. Aber wenn man die entscheidenden Punkte konsequent beachtet wird man mit Sicherheit belohnt. Andy und Kari hatten dies als Wiederholungstäter bereits im Griff und konnten ihre Lachse daher problemlos landen.Zusammenfassend hatten wir alle tolle Fänge wie sich anhand der tollen Bilder mitverfolgen lässt.


Mehrere schafften sogar den Grand Slam – heisst alle 5 Pazifiklachse plus Steelheadforelle. Keine Sau wird’s gross interessieren, aber für uns immer wieder eine interne Challenge.


Ganz speziell bedanken möchte ich mich bei meinen Spitzenköchen Kari und Ralf für all die tollen Gerichte und natürlich bei Richi, der uns mit einem sensationellen Lachs auf dem Grill verwöhnt hat. Wie gewohnt habe ich die Küche grossräumig umlaufen und mich auf Abwasch- und Rüstarbeiten spezialisiert. Einzig Ralf traute mir noch zu den Kochgrad der Pasta zu beurteilen. Danke für das Vertrauen. Ein herzliches Dankeschön natürlich auch allen die abgewaschen und aufgeräumt haben.


Selbstverständlich machten wir auch 2 Ausflüge, wo ich den Teilnehmern wunschgemäss bestimmte Flüsse vorstellen konnte. Besonders die Tour mit Friedhelm und Udo war ein Abenteuer für sich. Gottseidank mit glücklichem Ausgang und belohnt mit wunderbaren Bildern von Flüssen, Landschaft und Bären. Glaube die Beiden hatten echt ihre Zweifel ob wir wieder heil auf die Lodge zurückkommen. Aber mit ein wenig Pioniergeist haben wir das natürlich gemeistert.


Bedanken möchte ich mich besonders auch bei Simone, die uns wie immer erstrangig auf der Lodge betreut hat, sowie bei Klaus, der die Autos/Boote für uns immer perfekt in Schuss hält. Nicht unerwähnt bleiben darf auch die Tatsache, dass wir alle als Team gut zusammengearbeitet haben und die Sicherheitsmassnahmen konsequent bis zum letzten Tag genau eingehalten haben – ob beim Einwassern, auf dem Fluss oder beim Anlanden am Ufer. Habe schon bei anderen gesehen wie schnell alles aus dem Ruder laufen kann, wenn sich der Schlendrian in der Routine breit macht.


Nun zur eingangs gestellten Frage ob man was von den Bären lernen kann? Natürlich! Das im Titelbild abgebildete Exemplar fischte ca. 25 Meter hinter uns für rund 3 Stunden. Habe die meiste Zeit damit verbracht dieses Spektakel zu beobachten und bewunderte seine Beharrlichkeit und seinen Willen es immer wieder aufs Neue zu versuchen. Viele Fische entwichen ihm in letzter Sekunde. Er aber gab nie auf und behändigte sich in mehr als 100 Anläufen 2-3 Lachsen. Genau diesen Willen braucht es auch beim Lachsfischen. Und wer diesen nicht aufbringen mag sollte seinen Lachs lieber kaufen gehen.


Viele von uns konnten Abschied nehmen mit dem Wissen, dass wir nächstes Jahr wieder da sein werden und die Vorfreude hat bereits schon wieder eingesetzt. Mit Andy und Ralf kann ich nächstes Jahr sogar unser zwanzigjähriges Jubiläum feiern! Unglaublich wie die Zeit vergeht!


Wünsche euch viel Spass bei der Bildern in der Galerie und meldet euch, wenn ihr weitere Fragen habt.




 

Gefischt wurde:

Ruten

Loop Z Travel Klasse 9 14 Fuss

Rollen

Loop Evotec HD

Loop Opti Strike

Schnur

Vision Hammer Skagit 650 gr

Sinktip T 11 - T 17

Bezugsquelle

https://www.zefixflyfishing.de


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Tight lines und gesund bleiben