Fischen ohne zu waten
- Daniele Di Fronzo
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
....warum das perfekte Menden zum Muss wird

Wie jedes Jahr beginnt schon im Januar das bange Warten auf die Saisoneröffnung.
Ich nutze die Zeit bis dahin, um meine Fliegen zu sortieren und mein Material auf den neuesten Stand zu bringen. Viel Zeit verbringe ich auch damit, neue Destinationen zu recherchieren, was sehr zeitintensiv sein kann. Dieses Jahr hatte ich mir das Piemont als mögliches Ziel vorgenommen. Die Region ist eher für Wein, Trüffel und Essen bekannt. Dennoch gibt es dort ein paar tolle Flüsse, die interessant schienen, und so wurde aus dem Wunsch die Klarheit, es zu versuchen. Mein Plan war, die Gegend zur Saisoneröffnung am 22. Februar zu besuchen und mein Glück zu versuchen. Mit einigen Kursen im Januar/Februar verging die Zeit relativ schnell und schon startete ich mit Patrick in ein neues Abenteuer.
Die Autofahrt war mit 4,5 Stunden für uns machbar, sodass wir am frühen Morgen starten konnten und es schafften, um 11:30 Uhr am Wasser zu sein. Die Patente konnten wir in einer Bar kaufen, die ich durch EFFA-Kontakte ausfindig gemacht hatte. Erstaunlicherweise standen trotz des sonnigen Wetters und der dadurch milden Temperaturen nicht sehr viele Fischer am Wasser. Patrick hatte bereits beim ersten Wurf eine kapitale Forelle am Band, die ihm leider entglitt. Das zeigte uns, dass hier einiges möglich ist. Am Abend hatten wir trotz des verkürzten Tages einige tolle Fische gefangen. Die Gegend ist wunderschön und der Fluss hat so viele unterschiedliche Stellen, dass wir die nächsten drei Tage sehr erfolgreich und in vollen Zügen genossen. Besonders erfreut war ich darüber, dass ich schon im Februar auf steigende Fische fischen konnte. Das gelang mir allerdings nicht besonders gut, da sie schon ziemlich zickig waren. Aber ich hatte vorher absolut nicht daran geglaubt und schaffte es doch, zwei Forellen zu überlisten. Zusammenfassend war es ein Erfolg, der uns eine Menge schöner Regenbogenforellen bescherte. Bei den Farios sieht es in diesem Abschnitt jedoch eher schlecht aus. Im März/April werden jedoch andere Abschnitte freigegeben, in denen Marmorata, Äschen und alle Forellenarten vorkommen. Ich bin sicher, dass ich dann wieder dort sein werde.
Nun galt es, in die Schweiz zurückzufahren und die Eröffnung in Angriff zu nehmen. Ab dem 1. März sind die Flüsse offen und ich freute mich schon darauf, zu sehen, wie es dieses Jahr werden würde. Ich wollte in der Saane und vorwiegend im Doubs fischen, da ich wieder diverse Guidings in Aussicht hatte.
Dank meines Freundes Peter konnte ich die Saane befischen, allerdings ohne Erfolg. Mit einer Wassertemperatur von etwa 6 Grad war es einfach zu kalt und trotz großer Bemühungen konnte ich keinen Biss verbuchen. Trotzdem verbrachten wir einen tollen Tag bei sonnigem Wetter und ließen es uns mit Suppe, Wurst vom Feuer und natürlich ein bisschen Wein gut gehen. Leider führte der Doubs zu viel Wasser, sodass ich zwischendurch in unsere Pachtflüsse ausweichen musste, was aber noch etwas zu früh war. Mit viel Aufwand konnte ich doch zwei Forellen fangen, was für diese Zeit schon sehr gut ist.
Endlich war der Wasserstand am Doubs ideal und ich konnte mit der Suche nach neuen Spots für die Guidings beginnen. Es ändert sich zwar nicht alles über den Winter, jedoch kann ich keine Überraschungen gebrauchen, wenn ich mit Kunden unterwegs bin. Deshalb investiere ich zwei bis drei Tage im Vorfeld. Wie immer hat mich der Fluss nicht enttäuscht und mir ein paar tolle Fische beschert. Die Herausforderung im Frühjahr ist vor allem, dass man nicht waten darf. Somit ist es schwierig, eine saubere Drift zu haben. Das bedeutet, dass ein Menden auf weite Distanzen gefragt ist, da die Rinnen draußen sind.
Ja, das Menden ist ein weiteres Geheimnis für erfolgreiches Fliegenfischen.
Es dient dazu, die Drift dem Wasser anzupassen und so ein absolut natürliches Abtreiben der Fliege zu erreichen. Eine unnatürliche Präsentation – sei es bei Nymphen oder Trockenfliegen – bringt die Fische nicht zum Biss, sondern kann sie im Extremfall sogar erschrecken. Ich behaupte sogar, dass ich mit der falschen Fliege, aber einem guten Mending, wodurch sich eine perfekte Drift ergibt, den Fisch dazu motivieren kann, das Angebot trotzdem anzunehmen. Anders ausgedrückt: Die beste Fliege fängt bei schlechtem Mending und einer daraus resultierenden schlechten Drift nur Selbstmörderfische.
Beim Menden gibt es einige Grundsätze, die es zu beachten gilt:
Der Erfolg beginnt bereits beim Wurf, indem man die Schnur über das Ziel auswirft. So gewinnen wir Zeit, um die Schnur so hinzulegen, dass sie mit dem Köder ideal abtreibt.
Die meisten Fliegenfischer bringen die Leine dann in die richtige Position, indem sie sie ziehen. Das kann Fische erschrecken und sie in ihre Unterstände flüchten lassen. Besser ist es, die Schnur mit der Spitze anzuheben und sie etwas entgegentreiben zu lassen, um so Leerschnur zu generieren. So ist man ideal positioniert, um das Mending einzuleiten.
Wichtig: Ein richtiges Mending wird aus dem Handgelenk über die Rutenspitze in einer kurzen, gefühlvollen Bewegung ausgeführt. Das erfordert natürlich etwas Routine und man sollte sein Setup gut kennen. Hilfreich sind dabei keine steifen Ruten, da die weicheren die Impulse sofort übernehmen. Wer dies mit dem ganzen Arm macht, erreicht diese Präzision bei den Würfen bzw. Mendings schlichtweg nicht.
Wenn man diese Technik beherrscht, ist es möglich, die Schnur weit über 15 Meter oder mehr über den Fluss in eine absolut perfekte Drift zu bringen. Oftmals reicht ein Mending jedoch nicht aus und es ist mehr erforderlich, insbesondere bei verschiedenen Strömungsgeschwindigkeiten. In gewissen Situationen ist auch ein Vorwerfen der Schnur nötig, um durch einen zusätzlichen Rückwurf die ideale Drift zu erreichen. Natürlich kann man die Fliege auch durch ein Abwärts-Mending und die Größe des Bogens zusätzlich beschleunigen oder aufsteigen lassen. Dies ist sehr schwierig auf dem Papier zu vermitteln, aber ein guter Kursleiter kann euch die verschiedenen Situationen am Wasser in Echtzeit erklären.
Eines ist klar: Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzt, wird erfolgreicher sein.
Besonders erwähnen möchte ich, dass ich Fische aller Jahrgänge gefangen habe. Selten war es so wie dieses Jahr, was auf einen guten Abwuchs schließen lässt. Das lässt hoffen, und ich bin überzeugt, dass es eine gute Saison wird.
Ich wünsche allen einen guten Start in die Saison und beantworte gerne Fragen.
Hier noch ein paar Impressionen für euch.

Ruten im Einsatz
Pozo
Einhand TR4 Emotion
Klasse 3-4
Länge 9`6
Empfehlung für:
Absolut genial für Menden
Rutenaktion gestattet sehr dünne
Spitzen einzusetzen
Rollwürfe Top
+41 79 759 22 70


























































































































































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