• Daniele Di Fronzo

Fischen in Bosnien im Frühjahr oder Herbst?

was ist besser ............beurteile selber.

 

Endlich war so weit! Was in der Planung schon lange vorbereitet war wurde endlich Realität.

Viele stellen sich die Frage was besser ist, aber ich persönlich bevorzuge aus diversen Gründen die Monate September bis November. Es ist verständlich, dass die Leute nach der langen Winterzeit endlich wieder losziehen wollen. An gewissen Bächen, und speziell rund um die Feiertage,ist dies jedoch kein Fliegenfischen, wie ich mir das vorstelle. Natürlich haben die Fische lange keine Köder gesehen und sind noch jungfräulich,aber dieses Argument ist nach einer Woche schon obsolet.


Folgende Vorteile resultieren daraus für mich:


Druck auf die Gewässer

Feinere Fischerei

Abwechslungsreichere Fischerei

Schöne Landschaften in leuchtenden Farben



Die Gruppe bestehend aus Susanne, Robert, Bernhard, Bruno, Luigi und Mike hatte sich praktisch schon vor einem Jahr angemeldet und wollte einfach Bosnien mit seinen wunderbaren Flüssen kennenlernen. Wie immer zeigt man den Kunden Fotos von der Landschaft sowie von den gefangenen Fischen und hofft, dass sich darin alles wiederspiegelt. Dennoch ist da natürlich auch noch die Natur, die mitspielen muss. Um es vorweg zu nehmen war bis auf ein Tag fast alles perfekt in Bezug auf Wasserstände, Temperaturen und Verhalten der Fische. Die Ziele die wir verfolgten waren mindestens 4 Flüsse mit verschieden Strukturen zu befischen zwecks unterschiedlichen Herausforderungen und um die Technik des Nymphenfischens an der gestreckten Leine oder in der Rolle. Natürlich wollten wir bei bedeutenden Fortschritten auch noch den Bosnien Style fischen. Auch das Trockenfischen sollte nicht zu kurz kommen. Hier war das Anliegen die Anbietetechnik zu optimieren und die verschiedenen Variationen zu festigen. Ein besseres Trainingsgelände, mit praktisch garantiertem Fang, gibt es nicht. Hier sind alle Wasserstrukturen mit verschiedenen Herausforderungen vertreten. Sowohl schnelle, sowie laminare und rockige Wasserbewegungen, wie auch unterschiedliche Strömungskanäle konnten ausgelotet werden.


Aus 4 Flüssen wurden schliesslich 5. Das ergab sich so, weil wir in der Pliva zwar Fische gefangen hatten, aber die Fischerei sehr harzig verlief. Robert erzielte zwar mit seiner 50-er-Äsche auf Trockenfliege den Streckenrekord (dafür gab es eine Flasche Schnaps vom Manager) aber das Bissverhalten und die Steigphasen der Fische gaben mir kein gutes Gefühl um hier noch einen weiteren Tag zu verbringen. Ich halte es für wichtig möglichst flexibel agieren zu können und entschied mich deshalb kurzfristig um für eine Strecke an der Sanica, welche mehr versprach. Mein Team mit Ani, Firduz und Edin stimmten meinem Vorschlag zu und ich darf wohl sagen, die Gruppe erlebte ein Spektakel. Die Strecke ist nicht nur schön, sondern auch eindrucksvoll in die Natur eingebettet. In meinen Augen hat dieser Fluss in den letzten Jahren einen gewaltigen Sprung im Fischbestand gemacht. Der ansässige Flusswart, den ich schon jahrelang kenne hat hier einen tollen Standard erreicht. Der Bestand ist in etwa wie in der Ribnik nur ist hier der Druck noch nicht so gross. Wir haben in einem Gebiet gefischt wo wir ganz unter uns waren und sowohl Trocken, als auch mit Nymphe, eine sensationelle Fischerei erlebten.


Zurückkommend auf die Ribnik, welche wir ebenfalls befischt haben, gibt es dort noch immer den bestens Äschenbestand. Und zu meiner Überraschung obwohl dort ein enormer Druck von Fliegenfischern herrscht. Es herrschten Zustände wie im Frühjahr, was in der momentanen Jahreszeit dort normalerweise nicht der Fall ist. Besonders am Morgen schien es so als ob es keine freien Plätze mehr gäbe. Diese Aussage relativiert sich aber insofern sich der Andrang schnell löste und jeder seinen Platz fand. Ab dem Nachmittag waren wir jeweils wieder in der Normalität angekommen. Grundsätzlich muss ich dazu anmerken, dass hier das Management versagt, denn mit ein wenig Innovation könnte durchaus eine Besserung erzielt werden. Generell muss man diesen Fluss aber einfach befischen, weil der Fischbestand einfach traumhaft ist. Nur ist irgendwann mal der Punkt erreicht, wo das ganze kippt und alle nur als Verlierer dastehen. Den letzten Tag verbrachten wir an einem kleinen Abschnitt, wo wir erneut auf Forellen fischten. Die Erfolge konnten sich sehen lassen.


Zum kulinarischen Teil ist anzumerken, dass sich die lokale Küche deftig und fleischhaltig präsentiert, was für ein Woche gerade richtig ist. Bruno hielt essenstechnisch fest, dass er nicht noch eine Woche lang so hätte essen können. Die Gerichte sind gut bis hervorragend, bestehen aber hauptsächlich aus Kartoffeln und Fleisch. Einen besonderen Event in Sachen Essen erlebte die Gruppe bei Pedjas, der eine sogenannte Besenbeiz führt und verschiedene Ziele verfolgt. Natürlich verwöhnt er seine Gäste mit genialem Essen, aber ein weiteres Ziel ist, dass kein Gast das Lokal verlässt ohne starke Schlagseite. Er verpasst keine Gelegenheit um einen Grund zu finden, weshalb man nicht noch ein weiteres Glas Sliwowitz auf Ex austrinken sollte. Selbst ich, der die Prozedur und die Rituale schon bestens kannte, kam auf 3 Gläser, was mich bereits erheblich in die Gefahrenzone brachte. Seine Trinksprüche sind einfach grandios und so liebenswert, dass man ihm einfach nicht wiederstehen kann. Alles verlief jedoch im grünen Bereich und es schien mir gerade so, als ob Luigi, Mike, Bruno und Bernhard besonderen Spass daran gefunden hatten die Sprüche von Pedjas bei geeigneter Gelegenheit zu wiederholen.


Eine besondere Ehre wurde unserem Bernhard zuteil, der aufgrund seiner Witzen und Gelage sogar zu einem bosnischen Namen kam. Edin und Firduz tauften ihn kurzerhand Brko- was nicht anders heisst als « der Schnauzige «. Wenn ihr die Fotos anschaut werdet ihr schnell feststellen, wer gemeint ist. Es gab auch viele erheiternde Momente aufgrund der Qualitäts- und Standardnormen, welche in Bosnien und insbesondere im serbischen Teil gang und gäbe sind. Stromzufuhr, nicht funktionierende oder unsachgemäss eingebaute Heizungen sowie nicht vorhandene Nachttischlampen hinken dem schweizerischen Standard um Jahrzehnte hinterher. Aber genau das macht ja den speziellen Charme aus. Die Unterkünfte sind tadellos, aber oft scheitert es an der Liebe zum Detail, oder an der fachlichen Qualität der Handwerker. Ein Highlight in Sachen althergebracht war der Besuch des Dorfladens an der Pliva, welcher immer noch so aussieht wie der Tante-Emma-Laden bei uns vor 50 Jahren. Doch gerade deshalb gefällt mir Bosnien so ungemein. Eine wahre Perle in allen Belangen, wo die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein scheint.


Ein besonders Lob muss ich unserer Susanne aussprechen, die sich gerade mal 2 Tage vor Abreise den Fuss verknackste und trotzdem mitkam. Sie machte das ganze Programm mit, war eisern am Fischen und liess sich nichts anmerken. Herzlichen Dank an Edin, der die Sache gut löste und immer wieder die richtigen Spots für sie fand.


Nun wünsche ich euch viel Spass beim Betrachten der Fotos und eine tolle Fischerei im Herbst.


Zum Vergleich geht’s hier noch zum Frühjahrs Post Italien / Slownien / Bosnien :


https://www.flyfishing-difronzo.com/post/meine-reisen-im-fr%C3%BChjahr


 

Wir planen wieder diverse Reisen nach Bosnien/ Slowenien / Italien im 2023.

Hast du Interesse und möchtest deinen Standard und verschiedene Flüsse mit diversen Charakter befischen ab Fr. 1590.- die Woche inkl. Halbpension / Patente und Guiding.

Exclusiv: Anreise /Snack und Alkohlische Getränke

daniele@flyfishing-difronzo.ch

+ 41 79 759 22 70

Tight lines